Morbus Bechterew - (Spondylitis ankylosans)


Was ist der Morbus Bechterew?

Der M. Bechterew - oder besser Spondylitis ankylosans - ist eine einsteifende rheumatische Entzündung der Wirbelsäule, die 0,5 - 1 % der erwachsenen Bevölkerung in Mitteleuropa befällt und unbehandelt zu einer vollständigen Einsteifung und schweren Verkrümmung der Wirbelsäule - in schweren Fällen sogar mit Beeinträchtigung der Lungenatmung - führen kann. Auch Gelenke können von dieser Erkrankung befallen werden.


Woran erkenne ich bei mir den Morbus Bechterew?

Typisches Frühsymptom ist ein nächtlicher und frühmorgendlicher tiefsitzender Kreuzschmerz: (Die Entzündung schläft nicht!.) Oft werden die Beschwerden gegen morgen so stark, dass die Patienten deswegen aufwachen. Typischerweise bessern sich die Schmerzen (anders als bei degenerativen (Verschleiß-) Erkrankungen der Wirbelsäule) im Laufe des Tages und durch Belastung. Die Krankheit beginnt bei den meisten Betroffenen zwischen dem 16. und 30. Lebensjahr. Sie kann aber auch früher oder später auftreten. Wenn Sie an dem typischen - entzündlichen Rückenschmerz - (wie hier beschrieben) leiden, so sollten Sie sich bei einem Rheumatologen zur weiteren Abklärung vorstellen.


Wie verläuft die Erkrankung?

Die Krankheit beginnt bei vielen, aber nicht allen Patienten mit Kreuzschmerzen, die ins Gesäß und bis ins Knie ausstrahlen. Meist verläuft die Erkrankung dann schubweise. Sie kann in jedem Stadium der Erkrankung zum Stillstand kommen. Unbehandelt kann sie aber auch zu schweren Verkrümmungen und Einsteifungen der Wirbelsäule und von Gelenken führen. Auch Sehnenansätze können betroffen sein. Besonders häufig sind schmerzhafte rheumatische Entzündungen der Achillessehnen.


Welche anderen Komplikationen hat die Erkrankung?

Die Spondylitis ankylosans ist keine reine Erkrankung der Wirbelsäule oder der Gelenke. Neben den mehr oder weniger starken Beeinträchtigungen am Bewegungsapparat leiden viele Bechterew-Patienten unter Augenreizungen, die von harmlosen Bindehaut-Reizungen bis hin zu schweren Entzündungen der Regenbogenhaut reichen können, die dann unverzüglich vom Augenarzt behandelt werden müssen. Selten kommt es auch zu einem Befall der Aorta (Hauptschlagader) oder anderen schweren Krankheitskomplikationen.


Als Frau brauche ich mir keine Gedanken über den Morbus Bechterew machen?

Falsch! Auch Frauen können an einer Spondylitis ankylosans erkranken. Allerdings führt die Erkrankung bei Frauen seltener zu einer kompletten Einsteifung der Wirbelsäule. Dafür entstehen bei Frauen häufiger stärkere rheumatische Schmerzen an der Wirbelsäule.


Wie diagnostiziert man einen Morbus Bechterew?

Nach Befragung und körperlicher Untersuchung wird Ihr Rheumatologe zunächst Laboruntersuchungen (unter anderem das HLA-B-27) und Röntgenaufnahmen der Kreuz-Darmbeinfugen und anderer Wirbelsäulenabschnitte veranlassen. Möglicherweise werden weitere Untersuchungen wie die Skelettszintigraphie, eine kernspintomographische Untersuchung mit Kontrastmittel von Kreuz-Darmbeinfugen und Wirbelsäule oder auch eine Arthrosonographie (Ultraschalluntersuchung von Gelenken) zur Diagnosesicherung erforderlich sein.


Wie behandelt man einen Morbus Bechterew?

Entscheidend ist die langfristige und konsequente Durchführung einer Krankengymnastik. Nur so kann die Einsteifung der Wirbelsäule verhindert werden. Sehr bewährt hat sich die regelmäßige Durchführung von stationären Rehabilitationsmaßnahmen in einer spezialisierten Rheumaklinik. Hier kann eine Anleitung und Überprüfung der durchgeführten Physiotherapie erfolgen. Unterstützend können physikalisch-therapeutische Maßnahmen zur Schmerzlinderung, Muskelentspannung und Entzündungshemmung durchgeführt werden. Gut entzündungshemmend wirkt vor allem die Ganzkörperkältebehandlung in der Kältekammer bei -120 °C.

Medikamentös können nichtsteroidale Antirheumatika, z.B. Diclofenac oder sogenannte Basistherapeutika, z.B. Sulfasalazin (Azulfidine RA® oder Pleon ®) gegeben werden. Bei Entzündungen der Gelenke mit Wasseransammlung im Gelenk kann auch eine Einspritzung von Cortison in das Gelenk erforderlich sein. Auch cortisonhaltige Tabletten können im Einzelfall erforderlich sein.
In besonderen Situationen werden die sogenannten TNF-alpha-Blocker eingesetzt, z.B. Etanercept (Enbrel®) oder Infliximab (Remicáde®). Diese Medikamente, die es nur als Injektion oder Infusion gibt, kommen in Stadien mit hoher Krankheitsaktivität infrage. Sie greifen sehr stark in das Immungeschehen im Körper ein. Wichtig: diese Therapie kann nur von einem Rheumatologen eingeleitet werden. Fragen Sie ggf. Ihre behandelnden Ärzte, welche Therapieformen für Sie infrage kommen.
Durch eine konsequente und gezielte Therapie lassen sich heutzutage in der Regel die Krankheitszeichen weitgehend unterdrücken und eine Einsteifung der Wirbelsäule oder eine Zerstörung von Gelenken verhindern.